Zu einer offenen Sprechstunde auf den Friedhöfen an der Lüttringhauser Straße hatte der Christliche Friedhofsverband eingeladen.
Das Team um Friedhofsleiterin Sandra Berster wollte Besuchern die Möglichkeit geben, ungezwungen Fragen rund um Bestattungen, Friedhof und den Tod zu stellen.
Der Verband verwaltet 22 evangelische und 14 katholische Friedhöfe in Wuppertal und dem Umkreis, darunter auch den katholischen und den evangelischen an der Lüttringhauser Straße.
Tabus abbauen und offen über die Bestattungswünsche reden
Bettina Wallbrecher (Teamleiterin des Christlichen Friedhofsverbandes für die Friedhöfe in Wuppertal und der Umgebung) erläuterte das Ziel der Sprechstunde, die Teil einer Veranstaltungsreihe ist. Der Verband möchte erreichen, dass Friedhöfe auch als Aufenthaltsorte und nicht nur als Orte der Trauer wahrgenommen werden.
Über das ganze Jahr finden auf den Friedhöfen des Verbandes Ausstellungen, Vorträge, Poetry Slams, Konzerte oder andere Veranstaltungen statt: „Auf dem Friedhof darf auch gelacht werden“, fand Wallbrecher und sprach sich dafür aus, gesellschaftliche Tabus rund um Tod, Bestattung und Friedhof abzubauen. Eins davon ist, über diese Themen zu schweigen: „Eltern sollten mit ihren Kindern über ihre Wünsche sprechen“, riet sie.
Diese Einschätzung teilte auch Sandra Berster. Denn häufig habe sie die Erfahrung gemacht, dass Menschen mit dem plötzlichen Tod eines Angehörigen überfordert sind, insbesondere wenn derjenige zu Lebzeiten keine Wünsche über die Bestattung geäußert hat.
Dass teilweise anders gedacht wird, habe sie ebenfalls erlebt: „Manche suchen sich ihre spätere Ruhestätte bereits zu Lebzeiten aus.“ Der Friedhofsverband hält diesen Grabplatz zu Lebzeiten frei und kümmert sich auf Wunsch um die Pflege: „Wir sind grundsätzlich sehr flexibel“, lädt Berster ein, mit dem Friedhofsteam ins Gespräch zu kommen und auch außergewöhnliche Wünsche zu äußern.
Dazu zählt ebenfalls die Gestaltung der Gräber. Meistergärtnerin Sandra Berster hat neben den klassischen Bepflanzungen ausgefallene Ideen, die sie auf Mustergräbern präsentiert.
Urnenbestattungen machen heute einen Großteil aus
Ebenso wichtig wie die Bepflanzung der Gräber ist für die Angehörigen die Frage nach der Bestattungsart. Der Trend geht dabei zu Urnenbestattungen.
Sie machen in ganz Wuppertal rund 80 % der Beerdigungen aus, wie Sandra Berster erläuterte. Einerseits hänge das mit den geringeren Kosten im Vergleich zur Sargbestattung zusammen. Auch ein Umdenken der Religionsgemeinschaften spiele eine Rolle, beispielsweise lehnt die Katholische Kirche die Urnenbestattung mittlerweile nicht mehr grundsätzlich ab.
Ebenfalls beobachte sie, dass immer weniger Menschen die Pflege der Gräber übernehmen können oder möchten, da sie teilweise zu weit vom Friedhof entfernt wohnen.
Anders als in Wuppertal gibt es in Ronsdorf mehr Sargbestattungen: „Hier sind es ca. 60 bis 65 Prozent Urnenbeerdigungen“, erklärt Sandra Berster. Außerdem gebe es in Ronsdorf mehr Menschen, die sich selbst um die Grabpflege kümmern als in anderen Stadtteilen.
Friedhofsteam ist auch außerhalb der Aktionstage erreichbar
Von den 7.500 verfügbaren Grabstätten auf den Friedhöfen an der Lüttringhauser Straße sind derzeit 3.000 frei.
Fragen rund um Bestattung, Grabpflege und rund um den Friedhof beantwortet das Team auch außerhalb von Aktionstagen: Montags bis freitags von 8 bis 13 Uhr im Friedhofsbüro oder telefonisch unter 02 02 / 46 33 28.
Terminvereinbarungen sind möglich, dazu rät das Team, wenn komplexere Fragen zu klären sind.
Weitere Infos unter www.fvwuppertal.de.
Von Moritz Körschgen