Vom SV Jägerhaus Linde in die 1. Bundesliga: Diesen Weg ist Robin Braun gegangen, allerdings nicht als Spieler, sondern als Schiedsrichter. Der 30-Jährige pfeift heute hauptberuflich in der 1. Fußball-Bundesliga, seine Wurzeln beim SV Jägerhaus Linde sind ihm aber auch heute noch wichtig.
Daher war er „Opp Linde“ zu Besuch, berichtete aus seinem Schiedsrichteralltag, informierte über neue Regeln und beantwortete bis in die späten Abendstunden Fragen der rund 40 Gäste.
So unterstützte er den Verein, denn im Rahmen des „DFB-Punktespiels“ winken Prämien für die Vereine, wenn sie bestimmte Veranstaltungen organisieren.
Mehr Verständnis zwischen allen Beteiligten an einem Fußballspiel
Dieter Kraus, der sich bei Linde um das DFB-Projekt kümmert, fasste zusammen: „Am Ende des Abends waren alle glücklich und zufrieden.“ Er dankte Robin Braun für seinen Besuch, den er als bodenständigen Linder erlebte – trotz seiner Erfolge: „Der Abend war wie, als würde man mit ihm ein Bier trinken.“
Mit 6 Jahren hat Robin Braun bei Linde angefangen, zu spielen, mit 13 Jahren seine erste Partie als Schiedsrichter gepfiffen. „Eine ganz enge Verbindung“, so beschreibt Robin Braun es selbst, habe er auch heute noch zu seinem Verein, weshalb er gerne nach Linde kam.
Sein Ziel war es unter anderem, für mehr Verständnis zwischen Spielern, Trainern, Schiedsrichtern und Zuschauern zu werben.
Rund 200 Entscheidungen treffe er pro Spiel, viel Zeit bleibe dafür aber nicht. Denn jede Entscheidung, die länger als 1 Sekunde dauert, werde von Außenstehenden als zögerlich wahrgenommen: Es entsteht der Eindruck, dass der Unparteiische das Spiel nicht im Griff hat.
Gleichzeitig sind die Profi-Schiedsrichter verkabelt, erhalten von den Linienrichtern, dem 4. Offiziellen und dem VAR-Raum Informationen, die sie verarbeiten müssen.
„Nebenbei“ legt der Referee rund 10 bis 12 Kilometer pro Spiel zurück, teilweise im gleichen Tempo, wie die Profispieler mit ihren 24 bis 34 km/h.
Dazu kommt die Atmosphäre, für die 70.000 bis 80.000 Zuschauer sorgen. Auch nach dem Spiel kehrt selten Ruhe ein, wenn Medien und Fans stundenlang über die Entscheidungen fachsimpeln, die der Schiedsrichter in kürzester Zeit treffen muss.
Ein Abseits-Mythos aus dem Weg geräumt
Die graue Theorie war ebenfalls Thema, denn die Regeln kommen im Amateurfußball oft zu kurz, wie Robin Braun findet.
Daher klärte er über einige Mythen auf, beispielsweise beim Abseits: „Es spielt keine Rolle, ob der Ball nach hinten oder nach vorne gespielt wird“, erläuterte Braun. Der Mythos, dass es bei rückwärts gespielten Pässen kein Abseits gibt, halte sich aber dennoch – das sorge wiederum für teilweise hitzige Diskussionen.
Zum Ende des Abends gab Robin Braun den Gästen noch einen Kernsatz mit, der für ihn auf und neben dem Platz wichtig ist: „Es ist ein Privileg, Entscheidungen zu treffen.“ Das müsse man sich stets vor Augen führen, wenn man in der Position ist, zu entscheiden.
Von Moritz Körschgen