Pünktlich zum Antikriegstag am Dienstag, 1. September, soll das 2006 abgeräumte „Heimkehrer-Denkmal“
im Ronsdorfer Stadtgarten wieder aufgestellt werden.
Um 17 Uhr findet daher eine Veranstaltung der Begegnungsstätte Alte Synagoge statt.
Das Denkmal wurde vom „Heimkehrerverband“ am 25. Oktober 1952 errichtet. Die Inschrift lautete
„Vergesst nicht die Kriegsgefangenen und Vermissten!“ Zu finden war es an der Längsseite des Stadtgartens Am Grünen Streifen Richtung Remscheider Straße.
Es geriet in Vergessenheit und wurde von Büschen überwuchert. Als es Ende 2006 beim Rückschnitt der Büsche wieder zum Vorschein kam, wurden die S-Buchstaben der Inschrift als Runen gelesen, die Doppel-S-Buchstaben als das Zeichen der nationalsozialistischen SS (Schutzstaffel).
Nachdem sich Polizei und Staatschutz eingeschaltet hatten, wurde die Stele entfernt und eingelagert.
Unklar ist, ob es sich bei den S-Buchstaben tatsächlich um die SS-Runen handelt. Laut der Begegnungsstätte könne das aber so gedeutet werden.
Daher wurden – auf Initiative der Begegnungsstätte – die S-Buchstaben entfernt. Die Stele soll bis zum 1. September mit lückenhafter Inschrift wieder am originalen Standort aufgestellt werden. Mit dem „Heimkehrer-Denkmal“ ist das Ensemble der Denkmäler im Ronsdorfer Stadtgarten vollständig.
Aussage angesichts von aktuellen Kriegen wichtig
Die Aufstellung dieser Stele erhält vor dem Hintergrund der aktuellen Kriege und kämpferischen Auseinandersetzungen einen neuen Sinn.
„Denn während der Text über Jahrzehnte im Verdacht eines revisionistisch-relativierenden Geschichtsbilds stand, kann er heute, in einer völlig neuen Weltordnung spätestens seit dem Februar 2022 tatsächlich dazu mahnen, die Kriegsgefangenen und die Vermissten der genannten und der vielen anderen aktuell tobenden Kriege nicht zu vergessen“, so die Begegnungsstätte.
Stadtgarten als Ort der Erinnerungskultur
Insgesamt sechs Denkmäler machen den Ronsdorfer Stadtgarten zu einem Ort deutscher Erinnerungskultur – von der Weimarer Republik bis heute.
Die Denkmäler sind: das Kriegerdenkmal von 1931, das jetzt wieder errichtete Heimkehrer-Denkmal von 1952, das Denkmal „Nie wieder Krieg“ von 1981, die Eiche, die 1990 anlässlich der deutsch-deutschen Wiedervereinigung gepflanzt wurde, der Findling anlässlich des 50. Jahrestags des Kriegsendes 1995 sowie das Denkmal zur Erinnerung an die in Ronsdorf erschossenen Wehrmachtsdeserteure von 2017.
Zum Ronsdorfer Stadtgarten liegt eine Broschüre vor, die in der Begegnungsstätte Alte Synagoge kostenlos erhältlich ist.