Freiwillige Feuerwehr Ronsdorf: Engagement mit Frustfaktor

Vor einre Feuerwacheund Feuerwehrfahrzeugen steht eine große Gruppe von Einsatzkräften.
Der Ronsdorfer Löschzug mit der Jugendfeuerwehr (links). Foto: Moritz Körschgen

Gemischte Gefühle bei der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Ronsdorf: Als der Löschzug über seine Aktivitäten sprach, waren die Mitglieder zufrieden und berichteten von vielen Einsätzen sowie guter Kameradschaft und Gemeinschaft. Für Ärger sorgte aber, dass die Feuerwache Linde kein Standort der Freiwilligen Feuerwehr Ronsdorf mehr ist. Auf der Jahreshauptversammlung machten die ehrenamtlichen Einsatzkräfte das Thema erstmals öffentlich.

Viel Historie am Standort Linde – Ärger über Kommunikation

Löschzugführer Michael Rübel fasste die über 100-jährige Tradition der Wache auf Linde zusammen: Gegründet im Jahr 1908 wurde die Linder Feuerwehr zunächst mit der Ronsdorfer zusammengelegt, nach dem 2. Weltkrieg im Jahr 1945 aber wieder zur eigenen Löscheinheit. 2015 fusionierte Linde mit dem Ronsdorfer Löschzug. Seitdem nutzten die freiwilligen Feuerwehrleute aus Ronsdorf die Wache auf Linde, um mit einem Fahrzeug auszurücken.

Ende letzten Jahres habe der Löschzug aber erfahren, dass die Wache den Freiwilligen nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Kritik äußerte Michael Rübel nicht an der Frage, ob der Standort geschlossen werden sollte oder nicht: „Dazu gibt es bestimmt verschiedene Meinungen.“

Für Frust im gesamten Löschzug sorgte aber die aus seiner Sicht schlechte Kommunikation der städtischen Feuerwehr. Die habe den Löschzug vor vollendete Tatsachen gestellt. Auf Nachfragen, was mit dem Standort geschehen würde, habe man lediglich erfahren, dass die Zukunft des Standortes noch unklar sei.

„Emotionales Thema“ für den Ronsdorfer Löschzug

Markus Rahm, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehren bei der städtischen Feuerwehr, bestätigte auf Anfrage, dass die Ronsdorfer Feuerwehr Ende letzten Jahres über die Standortänderung informiert wurde. Er sprach von einem emotionalen Thema für die Freiwillige Feuerwehr, an der viel „Herzblut, Tradition und Ehrenamt“ hänge.

Was mit der Wache auf Linde passiert, sei zwar noch nicht endgültig klar, aber: „Es gibt Ideen, was damit [dem Gerätehaus] passieren soll.“ Rahm geht davon aus, dass die Wuppertaler Feuerwehr noch in diesem Jahr eine Lösung finden wird. Eine potentielle Schließung des Standortes für die Freiwillige Feuerwehr Ronsdorf sei schon seit mehreren Jahren Thema gewesen. „Das wusste der Löschzug auch“, so Rahm.

Emotional sei der Frust der Ronsdorfer nachvollziehbar, die inhaltlichen Gründe seien aber gegeben: Zeitliche Vorteile beim Ausrücken zum Einsatz habe der Standort nicht geboten, eher sogar Nachteile.

Das sah Michael Rübel anders: Für Feuerwehrleute, die näher am Standort Linde als an der Wache in der Remscheider Straße / Talsperrenstraße wohnen, sei es einfacher und schneller, von der Linde auszurücken.

Wie sich die Änderung auf den Brandschutz auswirken wird, fragte Michael Rübel bei der Jahreshauptversammlung in die große Runde und antworte lakonisch: „Das wird sich zeigen.“

Löschzugmitglied Torsten Tölle brachte es noch deutlicher auf den Punkt. Er sprach von einem „systematischen Problem“ der Wuppertaler Feuerwehr im Umgang mit den freiwilligen Einsatzkräften, das sich durch gut gemeinte Worte und Versprechen, an der Kommunikation zu arbeiten, nicht beheben lasse.

Fast 300 Einsätze, Brandschutzerziehung und mehr

Abgesehen von dem Unmut über die Wache auf Linde war der Ronsdorfer Löschzug aber guter Dinge und blickte auf das Jahr 2025: Michael Rübel berichtete von insgesamt 290 Einsätzen, darunter mehrere Großeinsätze wie ein Großbrand in der Talsperrenstraße, ein Wohnungsbrand Am Stadtbahnhof, ein Kellerbrand im Gansbusch sowie mehrere kleinere Zimmerbrände im Rehsiepen.

Probleme bereiten den Einsatzkräften in Ronsdorf enge Straßen und dicht parkende Autos: „Das ist nicht nur in der Nordstadt ein Problem“, kommentierte er. Für die Nordstadt und das Luisenviertel arbeitet die Stadt derzeit an einem Parkraumkonzept, unter anderem, um die Zufahrten zu den Einsatzorten für die Feuerwehr sicherzustellen. In Ronsdorf gibt es kein solches Konzept.

88 Mitglieder im aktiven Dienst, 26 in der Ehrenabteilung und 14 Jugendliche zählt der Ronsdorfer Löschzug.

218 Kinder an Grundschulen und Kitas sahen eine Vorführung des Brandschutzkaspers, bei einem Besuch im Rehsiepen kamen 45 Bewohner. Auch 2026 zeigt der Brandschutzkasper in Vorführungen, was im Ernstfall wichtig ist. Der Zuständige für die Brandschutzerziehung, Christoph Henne, hatte auch für die Erwachsenen einen wichtigen Brandschutztipp: „Überprüfen Sie ihre Rauchmelder!“

Grußworte lobten das Engagement der Einsatzkräfte

Der stellvertretende Bezirksbürgermeister von Ronsdorf, Dirk Müller, richtete den Einsatzkräften einen großen Dank für ihr Engagement vom gesamten Stadtteilparlament aus.

Bürgermeister Rainer Spiecker nahm Bezug auf das inoffizielle Motto der Feuerwehr „Wo andere rauslaufen, gehen wir rein“ und hob die besondere Mentalität der Einsatzkräfte hervor, die sich ehrenamtlich für andere Menschen in Gefahr begeben.

Der neue Ortsbeauftragte des THW, Mathias Laubenstein, betonte die gute Zusammenarbeit zwischen THW und Feuerwehr: „Wir sind froh, dass wir mit euch in Ronsdorf zusammen arbeiten können, damit Wuppertal sicher bleibt.“

Daniel Rupp, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehren Wuppertal, fand deutliche Worte zur Linde-Thematik und kritisierte den Umgang der Wuppertaler Feuerwehr mit dem Ronsdorfer Löschzug: „Die Freiwillige Feuerwehr zu verprellen ist ein Risiko für die Stadt, das nicht zu verantworten wäre.“ Er war der Meinung, dass wegen des Wegfalls des Standortes auf Linde im Vorfeld mehr Gespräche zwischen städtischer Feuerwehr und dem Ronsdorfer Löschzug hätten stattfinden müssen.

Von Moritz Körschgen

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