„So schlicht wie möglich, so würdevoll wie nötig.“ So hatte sich Ruth Knebel ihren Abschied in den Ruhestand als Pfarrerin der Evangelischen Gemeinde Ronsdorf gewünscht.
Diesem Wunsch war Jochen Denker, Co-Superintendent der Evangelischen Kirche Wuppertal und Pfarrer der Evangelisch-reformierten Gemeinde Ronsdorf auch nachgekommen, wie Ruth Knebel in ihrem Abschlussgottesdienstes zufrieden feststellte.
Emotional war der Tag für Gemeinde und Pfarrerin aber dennoch.
„Kein Masterplan“ für eine „fröhliche Frau, die viel lacht“
1982 hat sie das Studium der Theologie begonnen, 1993 die Stelle als Pfarrerin in der Ronsdorfer Gemeinde angetreten.
Besonders schätzte sie im Rückblick auf ihre Tätigkeit die vielen Verbindungen und Freundschaften, die sie im Laufe der Jahre durch die Gemeinde geknüpft hatte.
Fest geplant war davon nichts, wie sie sagte. Egal ob im Glauben oder im Leben: „Es gibt keinen Masterplan“, war einer der Kernsätze und Erkenntnisse, die sie den Besuchern auf den Weg mitgab.
Jochen Denker hat Ruth Knebel als „durch und durch fröhliche Frau, die viel lacht“, erlebt, erinnerte aber auch an schwierige Zeiten. Das früher stark von „älteren Männern beherrschte Presbyterium“, so Denker, habe die Pfarrerin gerade zu Beginn ihrer Amtszeit viel Kraft gekostet.
Er hob Ruth Knebels Engagement in den Senioren- und Frauenkreisen sowie mit Kindern und Jugendlichen hervor. Ob bei Hochzeiten, Beerdigungen oder in der Seelsorge: „Es war dir ein Anliegen, die Menschen zu begleiten“, fasste Denker zusammen.
Musikalisch untermalt wurde der Gottesdienst von den Lucky Tones, dem Gospelchor der Gemeinde.
Für das letztes Stück gab Chorleiterin Aline Sardão die Leitung an Ruth Knebels Ehemann Robert ab. Er stimmte das selbst getextete Lied „Ein halbes Leben als Pfarrerin“ für seine Frau an, das Chor und Gemeinde mitsangen.
Ihre Amtszeit in der Evangelischen Gemeinde hatte Ruth Knebel gemeinsam mit Pfarrerin Friederike Slupina-Beck begonnen. Auch wenn mit den beiden Pfarrerinnen zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinandertrafen – wie die Pfarrerinnen beide attestierten – erinnerten sie sich gerne an die gemeinsame Zeit in der Gemeinde.
Friederike Slupina-Beck fasste den Abschlussgottesdienst zusammen: „Was für ein Tag, knisternd und jubilierend.“ Sie bleibt der Luthergemeinde weiter als Pfarrerin erhalten, die Stelle von Ruth Knebel wird allerdings nicht neu besetzt. Das bedeutet für die Gemeinde einige Veränderungen.
Spenden statt Geschenke zur Verabschiedung
Zum Ende des Gottesdienstes sprach Ruth Knebel den vielen Wegbegleitern ihren herzlichen Dank aus. Insbesondere Ehemann Robert, der ihr bei allem stets zur Seite stand, ihrer Familie, Pfarrerin Friederike Slupina-Beck, den Mitgliedern der eigenen sowie der anderen christlichen Gemeinden in Ronsdorf.
Schließlich spendeten die Gemeindemitglieder ihrer Pfarrerin in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche einen gebührenden und minutenlangen Abschiedsapplaus, bevor der Tag im Gemeindesaal bei Büfett, Kaffee, Kuchen und Gesprächen ausklang.
Anstelle von Geschenken hatte Ruth Knebel um Spenden für ein Projekt gebeten, das ihr besonders am Herzen liegt: Die christliche Talitha Kumi-Schule im palästinensischen Westjordanland.
Von Moritz Körschgen
Weniger Gottesdienste, andere Uhrzeiten
Da nach dem Eintritt von Pfarrerin Ruth Knebel in den vorzeitigen Ruhestand ihre Pfarrstelle nicht wiederbesetzt wird ist Pfarrerin Friederike Slupina-Beck ab Mai die einzige Pfarrerin der knapp 4.700 Gemeindeglieder zählenden evangelischen Kirchengemeinde.
Das Presbyterium hat daher die Reduzierung der Gottesdienste im Diakoniezentrum und die Änderung der Gottesdienstzeit in der Lutherkirche beschlossen:
In der Lutherkirche beginnen die Gottesdienste sonntags ab sofort eine Stunde eher, also „ganz klassisch“ um 10 Uhr. Im Diakoniezentrum findet am 1. und am 3. Sonntag des Monats um 10 Uhr ein Gottesdienst statt.
Wenn einmal monatlich am Freitagabend um 19 Uhr der „Kraftschöpfen“-Gottesdienst gefeiert wird, entfällt der Sonntagsgottesdienst in der Lutherkirche.
Dies ist immer am 3. Sonntag im Monat der Fall, an dem dann um 10 Uhr im Diakoniezentrum Gottesdienst gefeiert wird.
„Besondere Gottesdienste feiern wir zusammen mit den fünf Gemeinden der Weggemeinschaft an verschiedenen Orten“, erklärt Pfarrerin Friederike Slupina-Beck weiter.
Das ist z.B. der Fall an Christi Himmelfahrt, am Pfingstmontag oder am 7. Juni, wenn Pfarrerin Sauppe und Pfarrerin Slupina-Beck in der Unterbarmer Hauptkirche für die Weggemeinschaft den Gottesdienst gestalten.
„Wir hoffen auf eine große Akzeptanz dieser Veränderungen, die sicher eine Zeit der Umgewöhnung brauchen“, so die Pfarrerin.
Am kommenden Sonntag um 10 Uhr lädt die Gemeinde ein zum Familiengottesdienst mit Pfarrerin Friederike Slupina-Beck, Kantor Christian Auhage und dem Kinderchor Kunterbunt unter der Leitung von Katharina Reis.