Zum traditionellen Neujahrsempfang hatte die CDU Ronsdorf eingeladen. Von den laut der Christdemokraten ursprünglich 120 angemeldeten Gästen kamen – vermutlich wetterbedingt – nur rund 60. Die CDU Ronsdorf erwägt daher, im Sommer erneut zu einem Zusammenkommen einzuladen.
Konrad Adenauers Worte seien auch heute noch relevant
Der Vorsitzende der Ronsdorfer CDU, Dirk Müller, zog Parallelen zu einem Zitat Konrad Adenauers, der im September 1949 sagte: „[…] Nur eine blühende Wirtschaft kann die Belastungen aus dem Lastenausgleich auf die Dauer tragen. Nur sie kann auf die Dauer das Steueraufkommen bringen, das die Haushalte des Bundes, der Länder und der Gemeinden […] zur Erfüllung ihrer Aufgaben benötigen.“
Müller sprach von „entscheidenden und passenden Worten“, die auch heute genauso zutreffend seien, wie damals.
Auch auf die Neujahrsansprache von Bundeskanzler Friedrich Merz nahm er Bezug. Der nannte „Die Erneuerung der Fundamente unserer Freiheit, unserer Sicherheit und unseres Wohlstandes für die nächsten Jahre und vielleicht Jahrzehnte“ als vorrangigen Arbeitsauftrag der Bundesregierung – dem pflichtete Müller bei.
Kritik und der Wunsch nach mehr positiven Botschaften
Als Rednerin war Vera Bökenbrink, Geschäftsführerin des Cronenberger Werkzeugherstellers Stahlwille und Vorsitzende der Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände (VBU) e.V. zu Gast.
Sie meinte, dass die Politik stellenweise eine falsche Wahrnehmung davon habe, wer „die Wirtschaft“ ist und wie es ihr geht. Kern ihrer Kritik war, bezogen auf die Größe von Unternehmen: „An die Mitte wird nicht gedacht.“
Schwächeln Großunternehmen wie Thyssenkrupp „kommt die Politik“, so Vera Bökenbrink. Aber die Bergische Wirtschaft, die hauptsächlich aus dem Mittelstand bestehe, „fällt durch jedes Raster“, so die Stahlwille-Geschäftsführerin weiter.
20 Jahre habe der Mittelstand – trotz Problemen – „gemacht“ ohne laut zu „meckern“. Das müsse sich jetzt ändern. Als Vorsitzende der VBU, dem über 500 Firmen angehören, möchte sie daher jetzt lautstärker auf Missstände im Mittelstand aufmerksam machen.
Verarbeitende Industriebetriebe, die einen hohen Energiebedarf haben – wie Stahlwille – würden beispielsweise nicht vom reduzierten Industriestrompreis profitieren, den die Bundesregierung beschlossen hat. „Dafür sind wir zu klein“, erläuterte Vera Bökenbrink, obwohl das Unternehmen laut der Geschäftsführerin einen Jahresumsatz von rund 100 Millionen Euro und 650 Mitarbeiter hat.
Auch kritisierte sie bürokratische Hürden, beispielsweise bei der Einstellung von Migranten, die einen Beruf ergreifen möchten: „Glauben Sie mir, die wollen arbeiten“, berichtete sie.
Für die Kommunalpolitik hatte sie einen „Wunschzettel“ dabei und plädierte für eine niedrigere Gewerbesteuer, einen bessern ÖPNV, eine zuverlässige Kinderbetreuung in Kita und Schule, mehr Gewerbeflächen, die nicht unmittelbar neben Wohngebieten liegen und eine verbesserte Digitalisierung in der Verwaltung.
Auf Bundesebene vermisste sie konkrete Pläne und Zukunftsvisionen und merkte an: „Der Herbst der Reformen hat nicht so geklappt; 2025.“ Vera Bökenbrink sprach sich gleichzeitig für mehr Optimismus aus: „Aber wir glauben daran, dass es jetzt in 2026 definitiv besser wird.“
Konkret forderte sie von den (CDU)-Politikern: „Geben Sie uns positive Zeichen, dass etwas passiert. […] Wir müssen nach und nach Dinge zu Ende machen – und feiern Sie diese Erfolge. Damit Menschen wieder mehr Vertrauen bekommen.“
Deutschland und Europa brauchen die USA als Verbündeten
Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, kommentierte Zusammenhänge zwischen Wirtschaft und Außenpolitik und die Auswirkungen auf Deutschland.
Die weltpolitische Situation nannte er „volatil“ und „in vielen Bereichen angespannt.“ Insbesondere die Strafzölle der USA würden die Bergische Wirtschaft und ihre Werkzeugexporte belasten. Hardt stellte den Sinn dieser Strafzölle in Frage, betonte aber gleichzeitig, dass Deutschland und Europa sich mit Trump arrangieren müssten.
Angesichts des Ukraine-Gipfels in Paris würde Hardt aktuell „dringend davon abraten“, mit dem US-Präsidenten völkerrechtliche Diskussionen über die Entführung des venezuelischen Diktators Nicolás Maduro und dessen Frau sowie die Bombenangriffe der USA auf das Land zu führen.
Die Situation wolle er zwar nicht bagatellisieren, gleichzeitig stehe aber aktuell im Vordergrund, ob Europa die Unterstützung der USA bei der Ukraine-Frage erhält, ob amerikanische Truppen weiterhin in Europa stationiert bleiben und ob die USA sich weiterhin zur NATO bekennt. „Das ist das, was absolut vorgeht“, meinte Hardt.
Gelinge es Deutschland, diese (und weitere) außenpolitischen Hürden zu meistern, sieht Hardt damit eine gute Basis für das Land als Wirtschafts- und für das Bergische Land als Industriestandort.
Von Moritz Körschgen