Mit dem jetzt vom Bundestag beschlossenen Ökodesign-Gesetz erhält die nicht-kommerzielle Reparaturbewegung in Deutschland Rückenwind: Künftig gelten auch ehrenamtlich Reparierende offiziell als „fachlich kompetent“. Damit erhalten Reparaturinitiativen wie das Reparaturcafé der Machbar in Ronsdorf erstmals einen gesetzlichen Anspruch auf bestimmte Ersatzteile und Reparaturinformationen der Hersteller.
Der „Runde Tisch Reparatur“ setzt sich z.B. für Reparaturcafés ein und erklärt dazu: „Die europäischen Ökodesign-Verordnungen verpflichten Hersteller seit 2021 dazu, fachlich kompetenten Reparateuren Zugang zu Ersatzteilen und Reparaturinformationen zu gewähren.
Doch der Begriff ,fachlich kompetenter Reparateur‘ blieb bisher im deutschen Recht undefiniert. In der Praxis wurde er vor allem mit ,gewerblicher Reparateur‘ gleichgesetzt.
Dass Reparatur-Initiativen, in denen zwar ehrenamtlich, aber trotzdem kompetent repariert wird, ebenfalls ein Anrecht auf diese Ersatzteile und Informationen haben, hat der Gesetzgeber am 21. Mai 2026 klargestellt.“
Mehr Möglichkeiten für Ehrenamtler in der Reparatur
Marco Hohlfeld aus dem Machbar-Team verdeutlicht: „Die neue gesetzliche Regelung bietet uns die Möglichkeit, einfacher an Ersatzteile und Reparaturanleitungen zu gelangen. Denn Reparieren spart nicht nur Geld, sondern schont auch Ressourcen und stärkt zugleich gemeinschaftliches Engagement vor Ort.“
Die Entscheidung zeige, wie wichtig ehrenamtliche Reparaturangebote inzwischen geworden sind, gerade in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten und wachsender Umweltbelastungen .
„Nicht nur in Ronsdorf, sondern in ganz Wuppertal spielt die Reparaturbewegung inzwischen eine wichtige Rolle. Mittlerweile gibt es rund 15 unterschiedliche Reparaturangebote in der Stadt – von Fahrrad- und Elektroreparatur bis hin zu Nähcafés.
Die Initiativen bieten regelmäßig ,Hilfe zur Selbsthilfe‘ und machen nachhaltiges Handeln direkt vor Ort erlebbar“, berichtet Nicole Bölt aus dem Vorstandsteam der Machbar.
„Immer mehr Menschen merken, dass Reparieren nicht nur Ressourcen schont, sondern auch Geld spart und Menschen zusammenbringt.“
Gemeinsames Reparieren und neue Fähigkeiten erlernen
Besucher können gemeinsam mit erfahrenen Ehrenamtlichen defekte Geräte überprüfen und häufig wieder instand setzen – vom Toaster über Lampen bis hin zu Kleidung oder kleineren Haushaltsgeräten.
Im Bereich Elektroreparatur engagieren sich bereits viele fachlich kompetente Ehrenamtliche, die Besucher dabei unterstützen, defekte Geräte zu prüfen und möglichst wieder funktionstüchtig zu machen. Dabei geht es nicht nur um die Reparatur selbst.
Christian Baumgart erklärt: „Wir möchten Wissen weiterzugeben und Menschen dazu ermutigen, Dinge selbst in die Hand zu nehmen oder zumindest besser zu verstehen, was möglich ist. So entsteht mehr Bewusstsein für die Dinge und ihren Wert.“
Die „Machbar“ öffnet am 6. Juni von 10 bis 13 Uhr in der Scheidtstraße 52, wie jeden ersten Samstag im Monat, ihre Türen. Diesmal mit einem neuen Angebot.
„Teilen macht glücklich“ lautet das Motto in der Leihbar
„Warum etwas kaufen, das die meiste Zeit nur rumliegt und Platz braucht?“, fragt das Machbar-Team und hat eine Lösung parat: In der Leihbar werden Dinge für genau die Gelegenheiten, in denen sie gebraucht werden, geteilt.
Vom Werkzeug über die Seifenblasenmaschine bis hin zum Lastenrad „Chili“. Die Idee ist einfach: Weniger besitzen. Mehr gemeinsam nutzen. Geld sparen, Ressourcen schonen und dabei Menschen aus der Nachbarschaft kennenlernen.
„Die Leihbar ist wie ein Werkzeugkasten für den Stadtteil – offen, praktisch und gemeinschaftlich. Denn nicht jede Person braucht eine eigene Bohrmaschine. Aber jede Person sollte Zugang zu einer haben. Ausleihen statt kaufen. Teilen statt besitzen“, so das Machbar-Team.
Um etwas auszuleihen, muss man entweder Vereinsmitglied oder Fördermitglied („Machbar-Fan“) sein. So will der Verein Missbrauch verhindern und die Menschen dazu animieren, sich im Verein zu engagieren.
Das Ausleihen der Gegenstände ist für Vereinsmitglieder oder „Machbar-Fans“ kostenfrei.
Neben dem neuen Angebot erwartet die Besucher im ReparaturCafé ein vielfältiges Angebot: Kinderbasteln, eine Tauschbar mit vielen interessanten Gegenständen, das Sammeln von Kronkorken und weiteren Materialien für den Wertstoffkreislauf sowie die Möglichkeit, Gegenstände kreativ upzucyceln oder zu reparieren.
Auch die Holzwerkstatt steht dafür offen. „Für unsere Holzwerkstatt suchen wir noch Menschen, die Lust haben, unser Team von inzwischen 50 Ehrenamtlichen zu unterstützen“ ergänzt Ole Häger.
Weitere Angebote sind NähCafé, TauschBar, Ressourcen-Sammlung, Holzwerkstatt und KreativLabor. Dort haben die Kinder am Samstag die Gelegenheit, Freundschaftsbänder basteln.
Die Angebote sind kostenlos; Spenden helfen dem Machbar-Team, Raummiete und Werkzeuge zu finanzieren, www.machbar.city.